Wer im Onlinehandel wirbt, kennt das Prinzip aus Google Shopping oder Meta: Ein Produktfeed wird hochgeladen, und aus dem Katalog entstehen automatisch Anzeigen. OpenAI überträgt dieses Modell nun auf das eigene Werbeprogramm. Über den Ads Manager lassen sich Produktfeeds einspielen und daraus feed-basierte Kampagnen erstellen. Nach Angaben von OpenAI gehören Anzeigen aus Produktfeeds bislang zu den am besten abschneidenden Formaten im Programm.

Wofür feed-basierte Kampagnen gedacht sind

Der Ansatz richtet sich an Händler mit breitem oder häufig wechselndem Sortiment. Statt jede Anzeige einzeln anzulegen, entsteht die Kampagne aus den strukturierten Produktdaten. Drei Punkte stehen dabei im Vordergrund:

  • Kampagnen lassen sich mit einem einzigen Feed-Upload über den gesamten Katalog aufsetzen.
  • Passende Produkte werden mit Gesprächen zusammengebracht, in denen eine konkrete Kaufabsicht erkennbar ist.
  • Produktdetails, Verfügbarkeiten und Metadaten bleiben über den Feed aktuell.

Weil die Anzeigen direkt aus den Produktdaten aufgebaut werden, hängt die Qualität der Ausspielung unmittelbar an der Qualität des Feeds. Titel und Beschreibung der Anzeige werden unverändert aus dem Feed übernommen.

Wie der Ablauf aussieht

Der Prozess besteht aus mehreren Schritten im Ads Manager. Im Bereich „Tools“ wird unter „Feeds“ ein neuer Feed angelegt. Anschließend erzeugt der Ads Manager die Verbindungsdaten für den Upload. Übertragen wird ausschließlich per SFTP, wahlweise mit Passwort oder SSH-Schlüssel.

Nach dem Upload verarbeitet das System den Feed – je nach Umfang dauert das von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden. Die Artikel werden nach und nach freigeschaltet; wie viele Positionen bereits ausspielbar sind, zeigt der Ads Manager beim Anlegen der Anzeigengruppe an.

Danach wird eine Kampagne vom Typ „Product feed“ erstellt, eine Anzeigengruppe angelegt und über Produktfilter festgelegt, welche Artikel dort infrage kommen. Reichen die vorhandenen Filter nicht aus, lässt sich über das Feld ads_metadata eine eigene Systematik hinterlegen – etwa Werte wie bidding_tier oder product_line, nach denen anschließend gruppiert werden kann.

Zum Schluss wird eine Anzeigenvorlage angelegt. Diese Vorlage dient als Grundlage für alle Produkte der Anzeigengruppe; derzeit lässt sich darin nur das Bildfeld auswählen. Eine Vorlage pro Anzeigengruppe genügt.

Rahmenbedingungen, die vorab bekannt sein sollten

Einige Einschränkungen sind für die Planung relevant:

  • Der Feed muss der Feed-Spezifikation von OpenAI entsprechen.
  • Der Upload ist ausschließlich per SFTP möglich – ein einfacher Datei-Upload über die Oberfläche ist nicht vorgesehen.
  • Ein Feed kann bis zu zwei Millionen Produkte enthalten.
  • Pro Werbekonto ist nur eine Feed-Verbindung möglich.
  • Produkte aus dem Feed sind während der Beta-Phase ausschließlich für Anzeigen nutzbar. In organischen ChatGPT-Gesprächen erscheinen sie nicht; OpenAI stellt eine solche Möglichkeit für die Zukunft lediglich in Aussicht.

Der letzte Punkt ist wichtig für die Erwartungshaltung: Ein Produktfeed sorgt derzeit nicht dafür, dass Artikel in normalen ChatGPT-Antworten auftauchen. Es handelt sich um ein Werbeformat, nicht um organische Sichtbarkeit.

Was die neuen Produktfeeds für Händler bedeuten

Der praktische Aufwand liegt weniger im Kampagnenaufbau als in der Datenpflege. Ein Feed, der bereits für Google Shopping gepflegt wird, ist eine gute Ausgangsbasis – die Spezifikationen unterscheiden sich jedoch, sodass eine Anpassung nötig ist. Da Titel und Beschreibung unverändert in die Anzeige übernommen werden, wirken sich unsaubere Produkttexte unmittelbar auf das Erscheinungsbild aus.

Vor dem Start lohnt sich außerdem ein Blick auf die technische Seite: Der SFTP-Upload setzt voraus, dass jemand im Betrieb oder bei der betreuenden Agentur eine automatisierte Übertragung einrichten und überwachen kann. Ein einmaliger manueller Upload reicht bei wechselnden Beständen nicht aus.

Einordnung

Feed-basierte Werbung ist ein etabliertes Modell, das nun in einem neuen Umfeld ankommt. Interessant daran ist weniger die Technik als der Kontext: Anzeigen erscheinen in Gesprächen, in denen Nutzerinnen und Nutzer bereits eine konkrete Absicht formuliert haben. Belastbare unabhängige Erfahrungswerte zur Leistung dieses Kanals liegen bislang allerdings kaum vor, und die Aussage zur überdurchschnittlichen Performance stammt vom Anbieter selbst. Ein begrenzter Test mit einem Teilsortiment ist deshalb der sinnvollere Einstieg als eine Umstellung des gesamten Werbebudgets.

Fazit

Produktfeeds im OpenAI Ads Manager öffnen Händlern einen weiteren Kanal, der auf bereits vorhandenen Katalogdaten aufsetzt. Der Einstieg ist technisch machbar, erfordert aber SFTP-Anbindung, gepflegte Produktdaten und eine an die Spezifikation angepasste Feed-Struktur. Wer diese Voraussetzungen mitbringt, kann mit einem klar abgegrenzten Teilsortiment testen, ob sich der Kanal für das eigene Geschäft trägt – und dabei einkalkulieren, dass die Funktion sich noch in der Beta-Phase befindet.

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