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Stand: September 2026. Beide Produkte entwickeln sich schnell. Dieser Beitrag wurde gegen die offiziellen Anbieterangaben abgeglichen; Angaben zum Marktstart sind als solche gekennzeichnet.
Zwei der großen KI-Anbieter verfolgen dasselbe Ziel mit unterschiedlichen Mitteln: KI soll nicht mehr nur Fragen beantworten, sondern Aufgaben erledigen. OpenAI hat dafür im Juli 2026 ChatGPT Work gestartet, Anthropic bereits im Januar 2026 Claude Cowork. Beide Produkte richten sich an Menschen, die mit Dateien und Dokumenten arbeiten – die Ansätze unterscheiden sich jedoch deutlich.
Der gemeinsame Grundgedanke
In beiden Fällen geht es um denselben Schritt: weg vom Chatfenster, in dem einzelne Antworten entstehen, hin zu einem System, das einen Auftrag entgegennimmt und mehrere Arbeitsschritte selbstständig ausführt. Statt „Formuliere mir diesen Absatz um“ lautet der Auftrag „Geh die Dateien in diesem Ordner durch und erstelle daraus eine Übersicht“. Beide Produkte greifen dafür auf lokale Dateien zu und können bei Bedarf im Web recherchieren.
Wo die Unterschiede liegen
Anbindung an bestehende Systeme. ChatGPT Work setzt stark auf Integrationen: Microsoft 365, Google Drive, Slack und Notion sind direkt angebunden, dazu kommen laut OpenAI über 1.400 Plugins. Claude Cowork geht den umgekehrten Weg und arbeitet primär mit einem Ordner auf der eigenen Festplatte. Wer viel in Cloud-Diensten arbeitet, findet bei OpenAI mehr Anschlusspunkte; wer Dateien lokal organisiert, kommt mit dem Cowork-Ansatz direkter zum Ziel.
Schwerpunkt der Aufgaben. Bei ChatGPT Work liegt ein deutlicher Fokus auf Tabellenkalkulation – das Erstellen, Befüllen und Auswerten von Tabellen in Excel und Google Sheets wird ausdrücklich hervorgehoben. Claude Cowork ist breiter auf Dateiarbeit ausgelegt: lesen, erstellen, ändern und ordnen von Dokumenten in einem freigegebenen Verzeichnis.
Verfügbarkeit. ChatGPT Work steht als Desktop-Anwendung für Windows und macOS zur Verfügung. Claude Cowork war zum Start auf macOS beschränkt; Versionen für Windows und Linux waren angekündigt, ohne konkreten Termin. Für Betriebe mit Windows-Arbeitsplätzen ist das ein praktischer Unterschied.
Zugangsvoraussetzung. Cowork startete als Research Preview und setzte ein Max-Abonnement voraus. ChatGPT Work wird über die kostenpflichtigen Stufen ausgerollt, mit tokenbasierter Abrechnung für die zugrunde liegenden Modelle.
Gedächtnis zwischen Aufgaben. Bei Cowork beginnt zum Start jede Sitzung ohne Kontext aus vorherigen Aufgaben. Wiederkehrende Abläufe müssen daher jedes Mal neu beschrieben werden – ein Punkt, der im Alltag spürbar ist, wenn dieselbe Aufgabe regelmäßig anfällt.
Kontrolle und Nachvollziehbarkeit. ChatGPT Work bringt für Unternehmenskonten eine Auto-Review-Funktion und eine Echtzeitüberwachung mit, die schrittweise ausgerollt werden. Cowork setzt stärker auf die Begrenzung des Zugriffs: Der Agent arbeitet nur in dem Ordner, der ihm ausdrücklich freigegeben wurde.
Was das für die Auswahl bedeutet
Eine allgemeingültige Empfehlung lässt sich daraus nicht ableiten – die passende Wahl hängt davon ab, wo die Arbeit tatsächlich stattfindet. Wer überwiegend in Microsoft 365 oder Google Workspace arbeitet und viel mit Tabellen zu tun hat, findet bei ChatGPT Work die kürzeren Wege. Wer Dateien lokal verwaltet, mit macOS arbeitet und Wert auf einen eng begrenzten Zugriffsbereich legt, kommt mit Cowork gut zurecht.
Wichtiger als die Produktentscheidung ist in beiden Fällen die Vorbereitung. Ein Agent, der eigenständig auf Dateien zugreift, braucht klare Grenzen: Welcher Ordner wird freigegeben? Welche Daten liegen darin? Wer prüft die Ergebnisse, bevor sie weiterverwendet werden? Diese Fragen stellen sich unabhängig vom Anbieter.
Auch die Kostenseite verdient Aufmerksamkeit. Bei nutzungsabhängiger Abrechnung hängt der Betrag davon ab, wie umfangreich die Aufgaben ausfallen – ein Agent, der stundenlang arbeitet, verbraucht entsprechend mehr als eine kurze Anfrage. Ein Testzeitraum mit festem Budgetrahmen schafft hier Klarheit.
Fazit
ChatGPT Work und Claude Cowork verfolgen denselben Ansatz mit unterschiedlichen Schwerpunkten: OpenAI setzt auf breite Anbindung an Cloud-Dienste und Tabellenarbeit, Anthropic auf lokale Dateiarbeit in einem klar begrenzten Bereich. Beide Produkte befinden sich in einer frühen Phase, in der sich Funktionsumfang und Konditionen noch ändern. Eine belastbare Entscheidung entsteht deshalb weniger aus dem Vergleich von Funktionslisten als aus einem begrenzten Praxistest mit einer echten, wiederkehrenden Aufgabe aus dem eigenen Arbeitsalltag.
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